Lella, die Geschichte

Lella, unsere Lella, ist flügge geworden. Als Tochter des Lindenberg darf sie ihren Familiennamen erst führen, wenn sie ihr eigenes Gästehaus eröffnet hat. Lella hat ihre Sommerferien so viele Jahre in Italien verbracht, sie liebt die Sprache, die Einheimischen, sie hat ihre Freunde dort, die Luft ist anders, voller Blumendüfte, die Sonne wärmt, es riecht nach gutem Essen, die Menschen sind offen, freundlich, liebevoll, laut und voller Leben.

Wenn Lella in Neapel in der Werft Santa Maria am Steg steht und auf die Riva hinunterschaut, auf ihre Conca Verde I, auf die ausgelegten ausgewaschenen Handtücher, die das Boot schützen sollen, auf die sorgfältig verstauten Wasserski, die Leinen, auf Salvatore, den alten Fischer, der seit über 50 Jahren diese Riva steuert, dann strömt ein Glücksgefühl durch ihren Körper, sie vergisst alles um sich herum und freut sich auf die bevorstehenden Ferien auf der Insel Capri, nicht ohne auf dem Weg dorthin in Massalubrense im Hafen die ersten Spaghetti Vongole und den ersten Insalata Caprese zu essen.

Bei Sonnenuntergang kommt Lella auf Capri im Marina Grande an und streift entlang an den kleinen Cafes, dem Schuhmacher, der die schönsten Sandalen fertigt und hinein in die Funiculare, die sie durch Orangen- und Zitronenhaine auf die Piazza bringt. Dort sitzt der Gitarrenspieler auf der Treppe, ein Hochzeitspärchen schlängelt sich mit der ganzen Hochzeitsgesellschaft durch den engen Gang die Treppe hinauf in die vorbereitete Kirche und die Kirchenglocken beginnen zu läuten. Überall tummeln sich Menschen, entspannt, gutgelaunt, einkaufsfreudig und Lella schaut in viele lachende, fröhliche Gesichter, Menschen haben sich auf den vielen Stühlen in den Bars auf der Piazza niedergelassen und beobachten das Getummel, das Spektakel, was sich vor ihnen abspielt.

Der Inhaber des Schmuckgeschäftes an der Ecke steht seit Jahrzehnten mitten im Gemenge auf der Gasse und Lella fragt sich, ob sie jetzt schnell zum Obsthändler läuft, um die dicksten Kirschen der Welt einzukaufen oder ob sie sich lieber ein warme Waffel, deren Duft bis zur Piazza strömt, mit hausgemachtem Eis holt und erst einmal ins Hotel läuft, um dort im Garten herumzuschlendern und zu schauen, ob alles noch aussieht, wie es immer ausgesehen hat.

Das Zimmer ist angenehm kühl, die mit Blumenmustern versehenen blauen Fliesen spiegeln das Meer, die Sonne, die Blumen wieder, die Amalfiküste, dieses wunderschöne Land mit seiner rauen Natürlichkeit, den Felsen und Buchten, dem grünblauen Meer und dem wunderbarsten Essen, dass so besonders und anders schmeckt.

Der Rucolasalat, den Lella das allererste Mal bei Luigi gegessen hat, hat besonders grüne und große Blätter, die Tomaten sind entweder besonders klein und intensiv schmeckend oder aber orangerot und der Mozzarella ist fest und wird in großen Kugeln serviert, die ihn mit besonderem Olivenöl, Salz und Pfeffer versehen zu Lellas Lieblingsessen machen. Manchmal muss Lellas Familie nachbestellen, die großen Schüsseln auf dem Tisch reichen nicht, um aufzuhören zu essen. Heute wird wieder diskutiert, wo der Mozzarella und die Tomaten und der Rucola und das Basilikum und das Olivenöl besser sind. Mittags in Positano bei La Cambusa oder an den Faraglioni-Felsen bei Luigi oder Abends unter den Zitronenhainen bei Paolino.